Humboldt-Universität zu Berlin - Zentraleinrichtung Hochschulsport der Humboldt-Universität zu Berlin

Evaluationsergebnisse

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Das Projekt "Studium und Spitzensport" war 2016/2017 wesentlich an der Konzeption, Durchführung und Auswertung der Studie "Studieninteresse, Kohärenzgefühl und institutionelle und personale Unterstützung - Ergebnisse einer Befragung zum Berliner Modell der Dualen Karriere von Spitzensportler*innen" beteiligt.

Ziel

Ziel der Studie war es, erstens, die Unterstützungsinstrumente im Hochschul- sowie  im Sportkontext zu evaluieren; zweitens, einen tieferen Einblick in die Zusammenhänge und Verienbarkeitsherausforderungen von Studium und Spitzensport zu erhalten; und drittens, das Kohärenzgefühl von Spitzensportler*innen (nach Antonovsky, 1997) im Sinne eines stimmigen und somit gesundheitsförderlichen Gefüges aus zu eruieren.

Grundgesamtheit

Die Erhebung wurde als paper-and-pencil-Befragung der studierenden Spitzensportler*innen an der Humboldt-Universität durchgeführt. Es nahmen 45 Studierende (N=45) an der Befragung teil. Die Rücklaufquote betrug ca. 75%. An der Erhebung beteiligten sich 27 studierende Spitzensportlerinnen und 18 studierende Spitzensportler.

 

Erhebung 2016 17 Kaderzugehörigkeit

Erhebung 2016 17 Altersgruppe.jpeg

 

  • Zeitverwendung

Die Befragten waren u.a. aufgefordert ihren durchschnittlichen Zeitaufwand für Studium bzw. Sport zu schätzen. Dem Sport wird im Vergleich ein höheres Zeitkontingent zugestanden. Erfahrungsgemäß schwankt die Verteilung jedoch zwischen intensiven bzw. weniger intensiven Wettkampf- bzw. Trainingsphasen. Auch die Zeitverwendung für das Studium wurde als Gesamtschätzung erfragt, d.h. es erfolgte keine Aufgliederung in Präsenzzeit bei Lehrveranstaltungen, Vor-/Nachbereitung, Prüfungsphasen usw.

Erhebung 2016 17 ZeitaufwandSp

Erhebung 2016 17 ZeitaufwandSt

 

Vergleich wöchentlicher Zeitaufwand

       Studium  /          bis 12 Stunden 12-24 Stunden mehr als 24 Stunden Σ N
Sport
bis 12 Stunden 4 2 4 10
12-24 Stunden 5 6 8 19
mehr als 24 Stunden  6 6 4 16
Σ N 15 14 16 45

 

  • Vereinbarkeit

Die intensivste Phase der sportlichen Karriere von Top-Athlet*innen fällt i.d.R. mit der Phase der akademischen Ausbildung zusammen (vgl. Riedl/Borggrefe/Cachay 2007). Ein dauerhafter Kernkonflikt liegt damit in der zeitlichen Vereinbarkeit von Sportbetrieb und Studium, da für beide Bereiche die Vollzeitausübung, eine starke Strukturierung und relativ wenig Flexibilität typisch sind. Insgesamt sind die befragten mit der Vereinbarkeit beider Bereiche relativ zufrieden.

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  • Unterstützung seitens der Universität

Die Humboldt-Universität hat seit Beginn der Kooperationsvereinbarung eine Vielzahl Unterstützungsinstrumente und -prozesse lanciert, insbesondere über die Koordination im Rahmen des QPL-geförderten Projekts Studium und Spitzensport. Zu den Kerninstrumenten gehören u.a. die Begleitung und Beratung durch die Projektkoordination und die Implementierung eines Fachmentoring-Systems, d.h. einer fachlichen Ansprechperson auf Fakultäts- bzw. Institutsebene, die für spitzensportbezogene Belange sensibilisiert ist. Die Anlaufstellen unterstützen sowohl bei individuellen Absprachen zur Studienumsetzung (z.B. Präsenzpflicht, Einreichungstermine, formative Leistungen) wie auch bei organisatorisch-planerischen Themen (z.B. Stundenplangestaltung, Studienverlaufsplanung, Kurs-/Modulwahl). Der Arbeit der Projektkoordination kommt nicht nur in Bezug auf die individuellen Beratungsleistungen, sondern auch als zentrale Anlaufstelle, welche Akteure, Prozesse und Maßnahmen systemisch integriert, eine besondere Rolle zu. Während die Zufriedenheit mit  der Unterstützung durch die Projektkoordination sehr gut ausfällt, bewerten die Befragten die Unterstützung durch das Fachmentoring durchwachsen. Dies liegt womöglich daran, dass das Fachmentoring aktiv aufgesucht werden muss.  Eine Erkenntnis aus der Evaluation war daher, die Kontaktaufnahme zwischen dem Fachmentoring und dem Mentee stärker zu fördern.

Erhebung 2016 17 Unterstützung.jpeg

Erhebung 2016 17 Zufriedenheit PK.jpeg

 

  • Studium und Studienzufriedenheit

Die befragten Spitzensportler*innen sind insgesamt sowohl mit ihrer Studienwahl als auch mit dem Studienverlauf zufrieden. Es zeigt sich, dass der überwiegende Teil ein ausgeprägtes intrinsisches Interesse am Studium des gewählten Faches hat. Allerdings scheinen übergeordnete Idealvorstellungen zu den Fachinhalten und/oder den Berufsaussichten z.T. bedeutender zu sein, als die tatsächliche Begeisterung für bestimmte Inhalte oder die Umsetzung in den Studienplänen. Studierende, die schon während der Schulzeit vom OSP betreut wurden, bekommen über spezielle Studienwahltests, Berufsorientierungsseminare und individuelle Coachings bereits vor dem Schulabschluss Unterstützung bei der Entscheidungsfindung.

Die Projektkoordination und die allgemeine Studienberatung helfen gerne bei fachlichen Fragen und bzgl. Überlegungen der praktischen Vereinbarkeit spezifischer Studienfächer und Sportarten.

Erhebung 2016 17 Zufriedenheit integriertjpeg

 

In der Extraktion der Subskala "Intrinsischer Charakter" aus der Itembatterie zum Studieninteresse zeigt sich, dass die Mehrheit der studierenden Athlet*innen dem Studium einen hohen Stellenwert beimisst. Diese Lesart wird durch die weiteren extrahierten Subskalen zu "Gefühlsbezogenen Valenzen" (N = 45; α=.75; MW=4.15; S=.71) und "Persönlichen wertbezogenen Valenzen" (N = 45; α=.83; MW=4.62; S=.62) gestützt. Gleichwohl müssen vor allem bei der Vereinbarkeit von Studium und Spitzensport Schwankungen des subjektiven Bewertung bedacht werden, z.B. erhöhtes Stressempfinden in Wettkampfphasen (siehe dazu auch die Veröffentlichung, S. 71ff.). Mitunter wird das Studium im Kontext der dualen Karriere zwar auch mal als Belastung empfunden, insgesamt wird es aber positiv bewertet und ist ein sehr wichtiges Element in den Lebensentwürfen der befragten Athlet*innen.

FSI-Subskala "Intrinsischer Charakter"

 

FSI-Subskala "Intrinsischer Charakter"

MW / S

Korrelation mit Skala

N = 45; α = .77

 

Es war für mich von großer persönlicher Bedeutung, gerade dieses Fach studieren zu können.

3.76; 1.07

.59

 

Schon vor dem Studium hatte das Fachgebiet, das ich jetzt studiere, für mich einen hohen Stellenwert.

3.89; 1.12

.54

 

Ich bin sicher, das Fach gewählt zu haben, welches meinen persönlichen Neigungen entspricht.

4.04; 1.11

.73

 

Ich habe mein jetziges Studium vor allem wegen der interessanten Studieninhalte gewählt.

3.47; 1.10

.65

Subskala "Instrinsischer Charakter" (FSI) nach Schiefele, U., Krapp, A., Wild, K-P.& Winteler, A. (1993); N = 45; α = .77, MW=3.62; S=.78; Skalierung: 1 = gar nicht zutreffend; 2= wenig zutreffend; 3 0 teilweise zutreffend; 4= eher zutreffend; 5=völlig zutreffend

 

FSI - Gesamtskala "Studieninteresse"

Nr.

FSI - Gesamtskala "Studieninteresse", Items

MW / S

Korrelation mit Skala

N = 45; α = .90

1

Die Beschäftigung mit den Inhalten und Problemen meines Studienfachs gehört nicht gerade zu meinen Lieblingstätigkeiten.

3.60; 1.03

.79

2

Über Inhalte meines Studienfachs zu reden, macht mir nur selten Spaß.

4.13; .91

.70

3

Nach einem langen Wochenende oder Urlaub freue ich mich wieder auf das Studium.

3.44; .99

.60

4

Die Beschäftigung mit bestimmten Stoffinhalten wirkt sich positiv auf meine Stimmung aus.

3.60, .78

.65

5

Ich rede lieber über meine Hobbies als über mein Studienfach.

3.02; .89

.53

6

Wenn ich in einer Bibliothek oder einem Buchladen bin, schmökere ich gerne in Zeitschriften oder Büchern, die Themen aus meinem Studienfach ansprechen.

3.29; 1.04

.43

7

Es gibt viele Bereiche meines Studienfachs, die mich innerlich gleichgültig lassen.

3.53; .89

.70

8

Es war für mich von großer persönlicher Bedeutung, gerade dieses Fach studieren zu können.

3.76; 1.07

.59

9

Wenn ich ehrlich sein soll, ist mir mein Studienfach manchmal eher gleichgültig.

4.04; .90

.72

10

Die Beschäftigung mit meinem Studienfach hat für mich wenig mit Selbstverwirklichung zu tun.

3.67; .91

.06

11

Im Vergleich zu anderen mir sehr wichtigen Dingen (z. B. Hobbies, soziale Beziehungen) messe ich meinem Studium eher eine geringe Bedeutung bei.

3.87; .91

.49

12

Die Beschäftigung mit bestimmten Studieninhalten ist mir wichtiger als Zerstreuung, Freizeit und Unterhaltung.

2.87; .89

.49

13

Schon vor dem Studium hatte das Fachgebiet, das ich jetzt studiere, für mich einen hohen Stellenwert.

3.89; 1.12

.54

14

Ich bin sicher, dass das Fachstudium meine Persönlichkeit positiv beeinflusst.

3.82; .98

.52

15

Wenn ich genügend Zeit hätte, würde ich mich mit bestimmten Fragen meines Studiums, auch unabhängig von Prüfungsanforderungen, intensiver beschäftigen.

3.98; 1.03

.45

16

Ich bin sicher, das Fach gewählt zu haben, welches meinen persönlichen Neigungen entspricht.

4.04; 1.11

.73

17

Schon vor dem Studium habe ich mich freiwillig mit Inhalten meines Studienfachs auseinandergesetzt (z.B. Bücher lesen, Vorträge besuchen, Gespräche führen).

3.44; 1.23

.55

18

Ich habe mein jetziges Studium vor allem wegen der interessanten Studieninhalte gewählt.

3.47; 1.10

.65

Gesamtskala Studieninteresse (FSI) nach Schiefele, U., Krapp, A., Wild, K-P.& Winteler, A. (1993); N = 45; α = .90, bei Tilgung Items 6, 10 und 12 (grau, kursiv) α = .92 ; Skalierung: 1 = gar nicht zutreffend; 2= wenig zutreffend; 3 0 teilweise zutreffend; 4= eher zutreffend; 5=völlig zutreffend

 

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Veröffentlichung

Buer, Jürgen van/Hülsen, Andreas/Rückmann, Jana (2017): Studieninteresse, Kohärenzgefühl und institutionelle und personelle Unterstützung - Ergebnisse einer Befragung zum Berliner Modell der Dualen Karriere von Spitzensportler*innen. Berlin: Inst. f. Erziehungswissenschaften/KSBF. Reihe: Studien zur Wirtschaftspädagogik und Berufsbildungsforschung aus der Humboldt-Universität zu Berlin, Band 25.

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